1956–1959: Die Anfänge des Hermannstädter Forschungsinstituts

Die humanistischen Forschungstraditionen Hermannstadts erhielten im 19. Jahrhundert einen organisatorischen Rahmen. Es wurden kulturell-wissenschaftliche Vereine ins Leben gerufen: 1840 der Verein für Siebenbürgische Landeskunde, der ab 1843 die Zeitschrift Archiv des Vereins für Siebenbürgische Landeskunde herausgab, und 1861 Asociaţiunea Transilvană pentru Literatura Română şi Cultura Poporului Român – ASTRA (Siebenbürgischer Verein für rumänische Literatur und Kultur des Rumänischen Volkes), mit der ab 1868 erscheinenden Zeitschrift Transilvania. Im 20. Jahrhundert, im Zuge von Bestrebungen zur Gründung einer deutschen Universität in Hermannstadt samt eines dazugehörigen Forschungszentrums, rief Nicolae Iorga 1922 die Zweigstelle Hermannstadt des Bukarester Instituts für Südosteuropäische Studien ins Leben, ein Institut, welches rumänische und siebenbürgisch-sächsische Wissenschaftler vereinte. Diese Zweigstelle bestand bloß bis zum Jahr 1936, doch nach einigen Jahren wurde hier das Deutsche Forschungsinstitut gegründet, das seinerseits nach dem zweiten Weltkrieg zusammen mit den älteren Vereinen aufgelöst wurde. Während die Aufgaben des „ASTRA”-Vereins, der sich den siebenbürgischen Rumänen zuwendete, zumindest teilweise von anderen Einrichtungen übernommen werden konnten, blieb die Rolle des Vereins für Siebenbürgische Landeskunde und des Forschungsinstituts, die vorwiegend auf die hiesige deutsche Bevölkerung ausgerichtet waren, unbesetzt.

Nach den schweren Nachkriegsjahren wurden den Deutschen in Rumänien 1956 ihre Rechte zurückerstattet: Die in die Bărăgan-Ebene Verschleppten durften in ihre Heimatorte zurückkehren, und die ländliche Bevölkerung erhielt zumindest Höfe und Häuser zurück. Unter diesen Umständen fanden Bemühungen um die Wiedergründung einer Forschungseinrichtung statt. Gernot Nussbächer zufolge gab es schon im Frühjahr dieses Jahres Gerüchte über ein solches Vorhaben; als mögliche Mitarbeiter waren Carl Göllner, Julius Bielz, Harald Krasser oder Bernhard Capesius sowie Herbert Hoffmann beziehungsweise Gernot Nussbächer im Gespräch. Wie dem auch sei, die Wiedergründung einer Forschungsstelle in Hermannstadt im selben Jahr kann vor allem als Maßnahme zur Rehabilitierung der Deutschen auf kulturell-wissenschaftlicher Ebene durch die Staatsbehörden verstanden werden. 1957 erhielt das Institut mit den Forschungen zur Volks- und Landeskunde auch eine eigene Zeitschrift.

Nicolae Lupu, der erste Institutsleiter, vermerkt im Informationsblatt (Buletinul informativ) des Instituts über die Gründungsumstände: „Anlass zur Institutsgründung [...] war das Vorhandensein [...] des umfangreichen, Anfang unseres Jahrhunderts zusammengetragenen Wortschatzmaterials zur siebenbürgisch-sächsischen Mundart [...], teilweise in den ersten Bände des Siebenbürgisch-Sächsischen Wörterbuchs veröffentlicht. [...] Um die Verwertung dieses [...] Sprachmaterials fortzuführen, nahm Fritz Holzträger, einer der ursprünglichen Bearbeiter des Lexikons, Verbindung zu Professor Emil Petrovici auf, dem Direktor des Klausenburger Linguistik-Instituts.” Dieser war grundsätzlich mit der Wiederaufnahme der Wörterbucharbeiten einverstanden, „umso mehr, als die Arbeit sich unter der Anleitung der Akademie der Wissenschaften zu Berlin entfalten sollte”, mit welcher schon 1955 ein entsprechendes Kooperationsabkommen abgeschlossen worden war. „Die Gründung eines Forschungsinstituts”, erfahren wir weiter, „war begünstigt von den Möglichkeiten, die Hermannstadt der wissenschaftlichen Dokumentation bot. [...] Ins Gewicht fielen auch das kulturelle Milieu sowie das Vorhandensein von Menschen mit betonten wissenschaftlichen Bestrebungen.”

Die amtlichen Schritte zur Institutsgründung unternahmen Nicolae Lupu, Carl Göllner und Cornel Irimie. Nachdem die Bewilligung vorlag, hieß die neue Einrichtung Sektion für Gesellschaftswissenschaften Hermannstadt (Secţia de Ştiinţe Sociale Sibiu); sie gehörte zur Filiale Klausenburg der Akademie der Rumänischen Volksrepublik. Nicolae Lupu wurde als Abteilungsleiter und Carl Göllner 1957 als Hauptschriftleiter der hauseigenen Zeitschrift eingesetzt.

Der Zusammensetzung des Kollektivs entsprechend waren die Forschungsziele schon in dieser Anfangszeit sehr unterschiedlich: Cornel Irimie, Misch Orend und Herbert Hoffmann beschäftigten sich mit Volkskunde, Nicolae Lupu und Iuliu Paul waren Archäologen, Gustav Gündisch und Carl Göllner Historiker. Julius Bielz war Kunsthistoriker, Fritz Holzträger, Bernhard Capesius, Gisela Richter, Anneliese Thudt und Annemarie Biesselt arbeiteten am Siebenbürgisch-Sächsischen Wörterbuch, Harald Krasser und später Maria Fanache bzw. Dumitru Ciurezu befassten sich mit Literaturgeschichte. Zu diesem Grundstock kamen in den ersten sechs Jahren weitere sechs Forscher hinzu, die als „nichtetatmäßige Mitarbeiter” bezahlt wurden und am Wörterbuch arbeiteten (Fritz Mild, Arnold Pancratz, Fritz Keintzel-Schön, Hans Wiesenmayer, Gerda Bretz und Hedwiga Rujdea); als Sekretärinnen waren Stella Kolowrath, später Hilde Klusch und Livia Irimie angestellt. Nicolae Lupu, der Leiter der Forschungsstelle, war auch Direktor des Brukenthal-Museums, so dass dieser Mitarbeiterkern seine Tätigkeit in einem dem Museum gehörenden Raum im Blauen Stadthaus begann.

Aus den Unterlagen geht hervor, dass in dieser Anfangszeit, Ende der 50-er Jahre, an der neuen Forschungseinrichtung, die zeitweise fast 20 wissenschaftliche Mitarbeiter beschäftigte, prägende Persönlichkeiten Hermannstadts tätig waren. Ihre Anzahl sank indes schon bald, weil einige verhaftet wurden, andere auswanderten; wir erinnern in diesem Zusammenhang an Gustav Gündisch, Harald Krasser, Misch Orendt, Fritz Holzträger, Annemarie Müller Biesselt usw. Zur Verringerung der Mitarbeiterzahl trugen auch einige Spannungen zwischen dem politisch fest verankerten Carl Göllner und einer Reihe von sächsischen Wissenschaftlern bei, die sich von den Kommunisten nicht instrumentalisieren ließen. Dazu kam ein gewisses Bestreben der politischen Organe, den Anteil der Deutschen am Kollektiv zu verringern, da dieser der Partei, wohl auch angesichts der Verhaftung oder Auswanderung einiger Deutscher, zu groß geworden war. Manche verließen das Institut auch aus unbekannten Gründen: Herbert Hoffmann und Maria Fanache.

Trotz der kräftigen Unterstützung aus Klausenburg gab es einige Schwierigkeiten, teils allen Anfängen eigen, teils im politischen System begründet. Beim Wörterbuch zum Beispiel wurde, parallel mit ausgedehnter Feldforschung und der Suche, gemeinsam mit dem deutschen Partner, nach der besten allgemeinen Ausrichtung vor allem hinsichtlich der lexikographischen Erfassung, der gesamte Band G zweimal überarbeitet. Doch auch das Erscheinen der Forschungen zur Volks- und Landeskunde war nicht ohne Hindernisse: das Typoskript des ersten Bandes trägt die Jahreszahl 1957, doch musste es umgeändert werden. Nachdem diese zweite Fassung 1959 bereits gedruckt war, wurde, zwecks strengerer Linientreue und der politischen Einschüchterung der Mitarbeiter, das Einstampfen der gesamten Auflage angeordnet und noch im selben Jahr eine neue Nummer herausgegeben, mit verändertem, den Wünschen der kommunistischen Kontrollorgane entsprechendem Inhalt.

Doch erschienen in derselben Zeitspanne auch die ersten Untersuchungen der Mitarbeiter, darunter das Buch von Julius Bielz, sowohl rumänisch (Arta aurarilor saşi din Transilvania) als auch deutsch (Die sächsische Goldschmiedekunst in Siebenbürgen).

 

1960–1969: Die Sektion Hermannstadt der Filiale Klausenburg der Akademie der Rumänischen Volksrepublik

Während der zweiten Etappe, in den 60-er Jahren, infolge des Eingreifens der politischen Organe, erweiterte sich das Profil des Instituts, das eine wachsende Zahl rumänischer Mitarbeiter umfasste, so dass das Institut die kulturellen Traditionen Südsiebenbürgens in ihrer Gesamtheit vertreten konnte. Diese Neugliederung ging einher mit verhältnismäßig großen Schwankungen in Umfang und Zusammensetzung des Mitarbeiterstabs, der jetzt, ohne das Hilfspersonal, aus 12 wissenschaftlichen Mitarbeitern bestand.

Mit dem Anwachsen des Mitarbeiterstabs wurde der Umzug in passende Räumlichkeiten immer dringlicher; diese fand man mit einer Fünfzimmerwohnung mit Nebenräumlichkeiten in der Quergasse/Strada Tribunei. Sekretärinnen waren jetzt Livia Irimie und Karla Knäb-Fabian.

Auch weiterhin waren sehr unterschiedliche Forschungszweige vertreten: Nicolae Lupu, bzw. gegen Ende der Zeitspanne auch Thomas Nägler, waren Archäologen, Carl Göllner und Haralambie Chircă Historiker; Teodor Ionescu und später Anamaria Haldner befassten sich mit Kunstgeschichte, Cornel Irimie war Volkskundler. Beim Wörterbuch arbeitete Bernhard Capesius, Gisela Richter, Anneliese Thudt und Roswitha Braun-Sánta, außerdem zeitweilig Alida Fabini und Elise Schneider. Dumitru Ciurezu und später an dessen Stelle Eugen Onu beschäftigten sich mit rumänischer Literaturgeschichte.

Veränderungen gab es eher in der Gewichtung einzelner Tätigkeitsbereiche. Die Erstellung des Siebenbürgisch-Sächsischen Wörterbuchs, eine außerordentlich akribische, wenig von der kommunistischen Ideologie beeinflusste Arbeit, wurde als mehr oder minder elitäres, auch im Ausland sehr geschätztes Werk empfunden. Hingegen befand sich die Zeitschrift Forschungen..., mit ihren regelmäßig erscheinenden Bänden (ab 1964 je zwei pro Jahr), direkt im Visier der damaligen politischen Einrichtungen. Die Inhaltsverzeichnisse der ersten Nummern lassen auf peinliche Weise die strikte kommunistische Gängelung erkennen, während die Inhaltsverzeichnisse der letzten sechziger Jahre auf eine merklich geringere Kontrolle bzw. Selbstkontrolle hindeuten. Immerhin hat die Zeitschrift mit ihren laufend veröffentlichten Beiträgen zur Geschichtsforschung vor allem diesen Wissensbereich in das Bewusstsein der Leserschaft gerückt.

Die sechziger Jahre brachten eine ganze Anzahl von wichtigen Arbeiten der Forscher in die Öffentlichkeit. 1961 und 1968 erschienen, in Rumänien und in Deutschland, die ersten beiden Bände von Carl Göllners Hauptwerk: Turcica. Die europäischen Türkendrucke des XVI. Jahrhunderts, wie auch andere Bücher des Forschers, vor allem populärwissenschaftlicher Natur. Nicolae Lupu war in den Buchhandlungen mit Cetatea Sibiului (Die Burg Hermannstadt) vertreten, Bernhard Capesius mit Die Landler in Siebenbürgen. In derselben Zeitspanne waren Hermannstädter Gelehrte an großangelegten Gemeinschaftsvorhaben beteiligt: Haralambie Chircă, ein hervorragender Paläograph, veröffentlichte den Band Documenta Romaniae Historica. A. Moldova, vol. XIX (1626–1628), und war Mitverfasser des ersten, 1965 erschienenen Bandes von Inscripţiile medievale ale României (Die mittelalterlichen Inschriften Rumäniens).

Schließlich verdient es angeführt zu werden, dass in diesem Zeitabschnitt regere Kontakte mit ausländischen Einrichtungen angebahnt wurden und dass einige Mitarbeiter an internationalen Kongressen und anderen Veranstaltungen teilnahmen; wir erwähnen in diesem Zusammenhang wiederholte Auslandsaufenthalte von Carl Göllner, doch auch Anneliese Thudt, die ein Humboldt-Stipendium erhielt.

 

1970–1979: Das Zentrum für Gesellschaftswissenschaften Hermannstadt der Akademie für Soziale und PolitischeWissenschaften der S.R.R.

1970 wurde die Hermannstädter „Sektion“ unter dem Namen Zentrum für Gesellschaftswissenschaften Hermannstadt zur selbstständigen Einrichtung, mit bis zu 14 wissenschaftlichen Mitarbeitern. Das Zentrum war der neugegründeten Akademie für Soziale und Politische Wissenschaften der Sozialistischen Republik Rumänien unterstellt und erhielt als Leiter Carl Göllner (Buchhalterin Valeria Isăcescu).

Durch die ziemlich zahlreichen Neueinstellungen gleich nach der Umwandlung kamen zu den Mitarbeitern des Wörterbuchs (Gisela Richter, Anneliese Thudt, Roswitha Braun-Sánta, später Sigrid Haldenwang und Ute Maurer) eine relativ geschlossene Forschergruppe aus anderen Bereichen hinzu. Auf geschichtlichem Gebiet mit den dazugehörigen Zweigen arbeiteten neben Carl Göllner und Thomas Nägler nunmehr auch Vasile Ciobanu und Paul Niedermaier; außer Eugen Onu waren Joachim Wittstock und später Livia Dumitru in der Literaturwissenschaft tätig, für Volkskunde wurde Anca Goţia angestellt. Ein völlig neuer Bereich innerhalb des Instituts war die Soziologie; Fragestellungen dieses Gebiets wurden von Florica Vasiliu und Rodica Atanasescu-Ţugui erörtert, später, nach dem Weggang der Letzteren, Nadia Kertesz-Badrus.

Da Nicolae Lupu zum Dekan der 1969 gegründeten Fakultät für Geschichte und Philologie ernannt wurde, verlegte er seine Tätigkeit dahin, gefolgt von Anamaria Haldner und Haralambie Chircă. Cornel Irimie wurde Direktor des Brukenthal-Museums, Maria Fanache Vorsitzende des Kulturkomitees. Teodor Ionescu wurde unter äußerst problematischen Umständen verurteilt und kam in Haft; es ging um einen Gemälderaub am Brukenthal-Museum. Roswitha Braun-Sánta und später Gisela Richter wanderten aus. Eine wenig angenehme Veränderung war, dass in der Mitte des Zeitabschnitts zwei Forscherinnen des Wörterbuchs zur ASTRA-Bibliothek versetzt wurden, eine Einschüchterungsmaßnahme politischer Natur, die allerdings nur pro forma vollzogen wurde, da die betreffenden, unersetzbaren Personen gleichzeitig zum Wörterbuch zurückdetachiert wurden. Dazu kam, dass einige der älteren Forscher verstarben (Julius Bielz und Dumitru Ciurezu) oder in Rente gingen (Bernhard Capesius).

Eine enge Verbindung zwischen Forschung und Hochschule gab es in Hermannstadt schon seit der Gründung der ersten Fakultät: Eine Reihe von Forschern hielten Vorlesungen und Seminare. Eine politische Maßnahme, die sogenannte „Integration“ des Forschungszentrums ins Hochschulinstitut, beschränkte sich unter diesen Umständen auf die mehr oder weniger formelle Erfassung der Lehrkräfte in dem sogenannten „einheitlichen Forschungsplan“ und auf die Streichung der Entlohnung für Unterrichtsstunden. Damals wurde die eigene Verwaltung des Forschungszentrums aufgelöst, und als Direktor wurde ein Dekan eingesetzt: zuerst Ioan Vesa und später Alexandru Grad.

Trotz der grundlegend veränderten Gewichtung zwischen rumänischen und sächsischen Mitarbeitern beziehen sich die in dieser Zeitspanne erschienenen Bände, auch infolge einer politischen Konjunktur, vorwiegend auf die deutsche Bevölkerung. Zunächst seien die drei Bände des Siebenbürgisch-Sächsischen Wörterbuchs genannt, nacheinander sowohl in Rumänien wie auch in Deutschland erschienen. Eine Neuheit war das Erscheinen im Verlag Editura Politică, einer Gemeinschaftsarbeit mit Studien zur Geschichte der deutschen Nationalität und ihrer Verbrüderung mit dem rumänischen Volk – Studii de istorie a naţionalităţii germane şi a înfrăţirii ei cu poporul român, mit offensichtlicher politischer Prägung. Das Werk, wovon zwei rumänische Bände und ein deutscher Band erschienen, war jedoch die erste größere Veröffentlichung im Rumänien der Nachkriegszeit, in der Fragen aus der Geschichte der Sachsen angesprochen wurden. Später konnte dieses Thema ohne solch unangenehmen Unterton angeschnitten werden, vor allem in der Geschichte der Deutschen auf dem Gebiete Rumäniens I, 12. Jahrhundert bis 1848, an der nicht nur Institutsmitglieder (Carl Göllner, Thomas Nägler, Paul Niedermaier, Vasile Ciobanu usw.) beteiligt waren, sondern auch Außenmitarbeiter, darunter Maja Philippi und Radu Manolescu. Enger noch war die Zusammenarbeit bei dem Band Die Literatur der Siebenbürger Sachsen in den Jahren 1849–1918, an dessen Entstehung eine Reihe von Lehrkräften der Hermannstädter Philologie-Fakultät beteiligt waren (Stefan Sienerth, Udo Peter Wagner, Arnold Kartmann usw.).

Gleichzeitig wurden eine Reihe von Büchern einzelner Autoren gedruckt. Wir erwähnen zunächst den dritten und letzten Band Turcica, sowohl hierzulande als auch in Deutschland erschienen, und je ein deutsches bzw. rumänisches Buch über die Siebenbürgischen Grenzregimenter – um die wichtigsten der damaligen Bücher Carl Göllners zu nennen. Cornel Irimie legte ein dreibändiges Werk über die Volkstracht im Altland vor (Portul popular din Ţara Oltului), und von Bernhard Capesius erschien eine Sammlung von Essays, Im alten Land. Joachim Wittstock veröffentlichte Erwin Wittstock. Das erzählerische Werk, Thomas Nägler den Band Die Ansiedlung der Siebenbürger Sachsen, Paul Niedermaier den Band Siebenbürgische Städte. Forschungen zur städtebaulichen und architektonischen Entwicklung von Handwerksorten zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert, der sowohl in Rumänien als auch in Deutschland bzw. Österreich erschien. Wie aus der obigen Aufzählung ersichtlich, war die Mehrheit der Veröffentlichungen in deutscher Sprache abgefasst: Nach Jahren der Einschränkung gab es damals die Möglichkeit, derartige Bücher verlegen zu lassen, wobei es bei den Verlagen relativ geringe Konkurrenz gab. Unsere rumänischen Kollegen, die nicht ähnlich günstige Publikationsmöglichkeiten hatten, konnten nur viel weniger veröffentlichen.

Die große Anzahl der Bücher, die sich auf die deutsche Bevölkerung Rumäniens bezog, prägte die Einschätzung des Instituts im In- und Ausland: es galt als in diesen Bereichen spezialisiert. In den Jahren nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland (1967) bot unser Institut ein günstiges Bild im Rahmen der Auslandsbeziehungen. Diese Einstellung gewann noch an Bedeutung, als 1977 in Hermannstadt die Jahrestagung des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde abgehalten wurde, war doch ein ähnliches Zusammenwirken mit einer westlichen Institution in jener Zeit ein besonderes Ereignis. Diese durch das Institut veranstaltete Tagung spiegelt gleichzeitig die damaligen engeren Beziehungen mit dem Ausland wieder.

Außer bei den im „Politischen Verlag“ erschienenen Bänden, wo – ohne Wissen der Autoren – störende Eingriffe durch den Verlagsredakteur vorgenommen wurden, hielt sich die Einmischung der politischen Mächte in annehmbaren Grenzen; auch war damals die kommunistische Zensur recht tolerant, vor allem im Falle deutschsprachiger Titel.

 

1980–1989: Die Integrierung des Zentrums für Gesellschaftswissenschaften in das Hermannstädter Hochschulinstitut

Im nächsten Zeitabschnitt, in den achtziger Jahren, hat sich die Lage der wissenschaftlichen Forschung sichtlich verschlechtert. Zwar wuchs der Mitarbeiterstab auf 20 Forscher an, doch ist diese Zunahme hauptsächlich der schrittweisen Auflösung des Hochschulinstituts und der Versetzung einer Reihe von Lehrkräften an das Institut zu verdanken. Neue Kräfte wurden in der Regel aufgrund von Vorschriften der Partei, bisweilen ohne Wettbewerb, eingestellt, und manche von ihnen ordneten sich nicht völlig der Mitarbeiterschaft ein. Auch im Sekretariat gab es Veränderungen: Ana Stănese wurde angestellt, danach ging Hildegard Klusch in Rente.

Mit der steigenden Mitarbeiterzahl wurde ein neuer Umzug notwendig; diesmal in ein Gebäude gegenüber vom Brukenthal-Museum (die ehemalige Bodenkreditanstalt), wo das Zentrum über acht Räume verfügte. Die verwendete Apparatur war noch recht einfach; zum Beispiel hatte das Soziologenkollektiv eine Matrize, mit deren Hilfe man gelochte Karten herstellen konnte, die den Vergleich von Ergebnissen verschiedener Umfragen ermöglichten. Leistungsfähiger schien eine Anlage anderer Art zu sein: Eines Morgens fanden wir in einigen Arbeitsräumen Mörtelspuren, was darauf hindeutete, dass hier nachts gearbeitet worden war. Seitdem waren wir überzeugt, dass es überall Anlagen zur Aufnahme unserer Gespräche gab.

Jetzt verließen das Institut die letzten zwei Mitarbeiter der ersten Stunde. Anneliese Thudt vom Wörterbuch ging in Rente, und an ihre Stelle trat Stefan Sienerth (heute Leiter des Instituts für Deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der Maximilians-Universität München), den Posten des in den Ruhestand versetzten Carl Göllner bei den Historikern nahm Nicolae Branga ein. Außerdem wurden eingestellt: Victor V. Grecu und Sanda Odaie (rumänische Sprache und Literatur), Mihai Chiorean, Gheorghe Iliescu und Dorel Morândău (Soziologie), Ilie Moise (Ethnologie) und Nicolae Jurca (Geschichte). Diese Aufzählung zeigt die Gewichtsverlagerung im Rahmen des Instituts, das heißt die merkliche Verstärkung der Abteilungen Soziologie und Romanistik. Der Prozentsatz der deutschen Forscher nahm gleichzeitig ab.

Einerseits wurden die Formalitäten im Zusammenhang mit den sogenannten „Planarbeiten“ zunehmend bürokratischer, andererseits ist die Zahl der Veröffentlichungen zurückgegangen. Zu Beginn des Jahrzehnts war die Lage diesbezüglich noch relativ gut. Damals erschienen Urbanismul Daciei Romane (Der Urbanismus des römischen Dakiens) und Italicii şi veteranii din Dacia (Die Italiker und die Veteranen Dakiens) von Nicolae Branga, die rumänische Ausgabe der Ansiedlung der Siebenbürger Sachsen von Thomas Nägler und Im Kreislauf des Jahres. Historisches Brauchtum der Siebenbürger Sachsen von Carl Göllner. In der Mitte des Jahrzehnts wurde die Einmischung der nationalkommunistischen Obrigkeit nachdrücklicher. Jetzt legte Victor V. Grecu seine Bücher Revoluţia, unirea, independenţa în Transilvania (Revolution, Vereinigung, Unabhängigkeit in Siebenbürgen) und Astra în lupta pentru făurirea statului naţional unitar român (Der ASTRA-Verein im Kampf um die Schaffung des einheitlichen rumänischen Nationalstaats) vor. Der zweite Band der Geschichte der Deutschen auf dem Gebiete Rumäniens von Carl Göllner hingegen konnte nur in Deutschland bzw. Österreich verlegt werden, unter dem Titel Die Siebenbürger Sachsen in den Jahren 1848–1918. Die Zeitschrift Forschungen zur Volks- und Landeskunde, in diesem Zeitabschnitt von Gerhard Konnerth geleitet, setzte jedoch die Veröffentlichung der Ergebnisse unserer wissenschaftlichen Ermittlungen fort.

Auch wenn die Forscher gelegentlich zum „politischen Unterricht” oder zu bombastischen „kulturellen“ Aktionen beordert wurden, auch wenn weniger verlegt werden konnte, sind diese Jahre für unsere Wissenschaftler nicht vergeblich gewesen: Die Unmöglichkeit, sie im zivilen Leben zum politischen Engagement zu bewegen, ermöglichte ihnen eine beharrliche, ungestörte Tätigkeit, die Ansammlung von Dokumentationsmaterial und Untersuchungen, die in vielen Bereichen einen wertvollen Grundstock bildeten, der auf seine Verwertung wartete. Dieses ist besonders deutlich im Falle des Wörterbuchs, jedoch auch bei anderen Arbeiten, die damals ausgearbeitet und später verwertet wurden.

Trotz der politischen Einschränkungen fand eine rege Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Einrichtungen aus dem Ausland statt, sowohl mittels Publikationen als auch durch Konferenzen und Teilnahme an Tagungen. In diesem Zusammenhang erwähnenswert ist die Wahl von Paul Niedermaier zum Mitglied der International Commission for the History of Towns (Internationale Kommission für Städtegeschichte).

1990–1999: Das Forschungsinstitut für Geisteswissenschaften Hermannstadt der Rumänischen Akademie

Die 1989 eingeleiteten Veränderungen haben unserer Tätigkeit einen besonderen Aufschwung gegeben. Die Forschungseinrichtung wurde erneut der Rumänischen Akademie unterstellt, man kehrte auf zwanglose Weise zu den Verhältnissen vor 1970 zurück. Die Einrichtung wurde von der Akademie in Institutul de Cercetări Socio-Umane Sibiu (Forschungsinstitut für Geisteswissenschaften Hermannstadt) umbenannt. 1995 wurde die Frage einer Namensergänzung mit Lucian Blaga aufgeworfen, doch nach lebhafter Auseinandersetzung entschied sich die Mehrheit der Forscher dagegen, worauf die Hermannstädter Universität diesen Namen erhielt.

Der erste Institutsleiter nach 1989 war Thomas Nägler (stellvertretender Direktor Gheorghe Iliescu). Als Th. Nägler 1994 in Rente ging, wurde Paul Niedermaier zum Institutsleiter ernannt (wissenschaftlicher Sekretär Florica Vasiliu). Buchhalterin war erst Iustina Iridon-Borcănescu, dann Marioara Căprariu. Auch im Sekretariat gab es Veränderungen: Mariana Vlad wurde eingestellt, anstelle von Ana Stănese kam erst Natalia Bihorean, dann Lucreţia Grozavu.

Die 90-er Jahre brachten auch eine neue Infrastruktur. Das Institut erhielt einen neuen, viel geräumigeren Sitz mit 11 Arbeitsräumen, das vormalige Gästehaus Nicu Ceauşescus in der Schneidmühlgasse/Strada Lucian Blaga. Die größere Anzahl von Räumlichkeiten erlaubte eine Aufteilung der Forscher nach Arbeitsbereichen (Siebenbürgisch-Sächsisches Wörterbuch, Städtegeschichte, Ethnologie/Linguistik, Geschichte usw.), doch auch nach Affinitäten. In der Mitte des Jahrzehnts wurde der größte Raum zur Bibliothek (Bibliothekarin Steluţa Ovesia-Lăcătuş) und einem kleinen Konferenzsaal umgestaltet. Im Februar 1990 erhielten wir den ersten Rechner und das erste Kopiergerät; im Laufe der Zeit wurde diese Grundausstattung ständig erweitert – nicht ohne Ablehnung einiger Kollegen, die sich mit der Modernisierung der Forschungstätigkeit nicht anfreunden konnten. Die ersten Geräte waren Spenden des Lutherischen Weltbunds Erlangen, des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde und der Soros-Stiftung für eine Offene Gesellschaft. Später konnte Computertechnik auch aus eigenen Mitteln angeschafft werden, sei es mit von der Rumänischen Akademie zur Verfügung gestellten Geldern, oder mit Mitteln aus Förderprogrammen, die an einige Kollegen vergeben wurden.

Die Zusammensetzung des Mitarbeiterstabs veränderte sich aufs Neue. Diejenigen Forscher, die nach dem Auflösen des Hochschulinstituts zum Forschungszentrum gekommen waren, ließen sich nun zur neugegründeten Universität zurückversetzen, setzten aber ihre Tätigkeit in Teilzeit auch am Institut fort (Gheorghe Iliescu, Victor V. Grecu, Sanda Odaie, Nicolae Branga, Nicolae Jurca). Andere nahmen den Unterricht auf, indem sie ihre Forschungstätigkeit im Institut zu denselben Bedingungen beibehielten (Thomas Nägler, Vasile Ciobanu, Paul Niedermaier, Dorel Morândău, Florica Vasiliu, Ilie Moise). Es wanderten verhältnismäßig wenige Mitarbeiter aus (Ute Maurer, Stefan Sienerth und später Thomas Nägler). Am Ende der Zeitspanne gab es auch Pensionierungen (Anca Goţia und Joachim Wittstock). Es wurden hingegen andere, viel jüngere Kräfte eingestellt (für Archäologie Zeno Karl Pinter, beim Wörterbuch Isolde Huber und Malwine Dengel, für die Geschichte der deutschen Bevölkerung zeitweise Hannelore Baier, für Städtegeschichte Judit Pál, Marian Ţiplic, Reinhold Gutt und später an dessen Stelle Simona Bondor, für Übersetzungen Sigrid Pinter). Die obige Aufzählung ergibt die Entstehung eines relativ starken Forscherkerns, der sich mit der Städtegeschichte Rumäniens beschäftigt.

Im Großen behielt man jedoch das herkömmlich Profil des Instituts bei, das heißt, im Mittelpunkt standen weiterhin Studien zur Geschichte und Kultur der deutschen und rumänischen Bevölkerung, vor allem in Siebenbürgen, mit den zugehörigen Forschungsbereichen, wobei das Siebenbürgisch-Sächsische Wörterbuch weiterhin eine wichtige Rolle einnahm, doch auch der Literaturgeschichte Bedeutung beigemessen wurde. Ein völlig neuer Zweig innerhalb des Instituts stellten die Untersuchungen zur Städtegeschichte in ganz Rumänien dar (die Initiative dazu ging vom Hermannstädter Institut aus), doch auch die Bedeutung der Deutschen im Urbanisierungsprozess. Für das deutsche Kulturerbe in Rumänien hingegen, das durch die Massenauswanderung der deutschen Bevölkerung zu Beginn der neunziger Jahre gefährdet ist, konnte das Institut sich nur in beschränktem Maße einsetzen, da es an Fachpersonal fehlt.

Abgesehen von einer regen Tätigkeit der Forscher vor allem im Rahmen der Hermannstädter „Lucian Blaga”-Universität, doch zeitweise auch an der „Babeş-Bolyai-Universität Klausenburg und der Universität „1 Decembrie 1918” Karlsburg/Alba Iulia, haben die Mitarbeiter erhöhten eigenen Forderungen entsprochen: Anfang der 90-er Jahre ermöglichte uns die Akademie die Herausgabe von drei weiteren periodischen Schriften. Außer den zweimal jährlich erscheinenden Forschungen zur Volks- und Landeskunde (Schriftleiter Joachim Wittstock), hat unser Institut ab 1992 die Herausgabe der Zeitschrift Studii şi Comunicări de Etnologie (Studien und Beiträge zur Ethnologie) übernommen, die in rumänischer Sprache erscheint, jedoch auch deutschsprachige Beiträge enthält (Schriftleiter Ilie Moise). Seit 1993 veröffentlichen wir zweimal pro Jahr die Zeitschrift Historia Urbana, ebenfalls in rumänischer Sprache, mit Beiträgen in Weltsprachen (Schriftleiter Vasile Ciobanu). Seit 1994 erscheint ausschließlich in rumänischer Sprache das Jahrbuch des Instituts, Anuarul Institutului de Cercetări Socio-Umane Sibiu (Schriftleiter Eugen Onu). Finanzielle Schwierigkeiten des Rumänischen Akademieverlags, der alle diese Zeitschriften herausgab, führten indes Ende der 90-er Jahre zu immer größeren Verspätungen beim Erscheinen. In dieser Zeitspanne wurden bloß die Forschungen und Historia Urbana vom obengenannten Verlag beibehalten; Studii şi Comunicări de Etnologie konnte nur mit Hilfe von auf lokaler Ebene ausfindig gemachter Geldmittel herausgegeben werden, und das Jahrbuch stellte sein Erscheinen zeitweilig ein.

Diese Hemmnisse hatten jedoch keinen Einfluss auf die drei vom Institut veröffentlichten Informationsblätter. Jenes der Städtegeschichtekommission erscheint monatlich (Redakteur anfangs Paul Niedermaier, dann Judit Pál), die anderen beiden, zur Tätigkeit des Instituts (Buletin informativ, bzw. Informationsblatt) vierteljährlich (Redakteure Livia Dumitru bzw. Sigrid Pinter).

Ab jetzt war unser Engagement im Organisieren der Forschungstätigkeit auch außerhalb des Instituts von besonderer Wichtigkeit. Ab 1990 wurden die Beziehungen zum Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde in Deutschland enger. Vor allem dank der Zusammenarbeit zwischen Walter König, dem damaligen Vorsitzenden des Arbeitskreises, und Thomas Nägler, dem Institutsleiter, wurden nicht nur Tagungen des Arbeitskreises in Hermannstadt und anderen siebenbürgischen Städten veranstaltet, an denen Forscher aus dem ganzen Land teilnahmen, sondern es wurde, de facto, die Rumänien-Abteilung des Arbeitskreises gegründet. 1992 wurde auf Initiative von Paul Niedermaier gleichzeitig im Rahmen der Rumänischen Akademie die Kommission für Städtegeschichte Rumäniens ins Leben gerufen, die vom Institut, genauer von der neugegründeten Abteilung für Städtegeschichte innerhalb des Instituts beherbergt wird. Die Kommission veranstaltete jährlich ebenfalls eine bis zwei Fachtagungen auf Landes- oder internationaler Ebene, sowie andere Aktivitäten.

Die Themen der Arbeiten und auch die anderen Tätigkeiten, die uns beschäftigen, beweisen, dass trotz aller Veränderungen im Lauf von Jahrzehnten unser Institut sein ursprüngliches Profil beibehalten hat: Es widmet sich vor allem der Erforschung von Geschichte und Kultur der deutschen und rumänischen Bevölkerung Siebenbürgens. Dabei betrachten wir es als wichtig, dass sich diese Untersuchungen in enger Verbindung mit der mitteleuropäischen Forschung abwickeln und unser Institut hiermit zur Intensivierung dieser Verbindung beiträgt.

Da in den Achtzigern sehr wenig veröffentlicht worden war, gab es jetzt eine Reihe von Manuskripten, die verwertet werden mussten. Das war vor allem bei den Bänden „L” und „M” des Siebenbürgisch-Sächsischen Wörterbuchs der Fall (Letzterer wurde von Sigrid Haldenwang, Isolde Huber und Malwine Dengel revidiert), herausgegeben vom Verlag der Rumänischen Akademie und dem Böhlau-Verlag. Im Verlag des Südostdeutschen Kulturwerks München (heute Institut für Deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas) wurden von Joachim Wittstock und Stefan Sienerth zwei Bände – Die deutsche Literatur Siebenbürgens – herausgegeben, die auf älteren Manuskripten fußten. Ebenfalls im Ausland, in Heidelberg, erschien der erste Band zum mittelalterlichen Städtebau in Siebenbürgen von seinen Anfängen bis 1241 (Der mittelalterliche Städtebau in Siebenbürgen, im Banat und im Kreischgebiet) von Paul Niedermaier.

Zahlreicher waren die im Inland veröffentlichten Bücher. In diesem Zusammenhang erwähnen wir einige Veröffentlichungen von Ilie Moise: Confrerii carpatice de tineret. Ceata de feciori, dann Folcloristica sibiană sowie Eternităţi sibiene. Victor V. Grecu veröffentlichte den Band Idealul unităţii naţionale în presa românească, Nicolae Jurca erarbeitete zwei Bücher zur Geschichte der Sozialdemokratie in Rumänien (eines davon in französischer Sprache) und gleichzeitig erschien eine erste zur Gänze zweisprachige Lieferung, des Städtegeschichteatlasses Rumäniens, Schässburg (Text Paul Niedermaier, Tafeln Reinhold Gutt und Simona Bondor), womit eine Reihe neuer, von der Internationalen Kommission für Städtegeschichte empfohlener Publikationen begonnen wurde. Die Veröffentlichungen zeichneten sich durch einen breitgefassten Themenbereich aus; in diesem Zusammenhang erwähnen wir auch einen Sammelband, Filologie şi istorie, von Victor V. Grecu zusammengestellt.

Ebenfalls in dieser Zeitspanne wurde die Veröffentlichung von Dissertationen möglich. Eine davon war die Arbeit Eugen Onus, Dramaturgia română între 1900–1944. Sensuri ale evoluţiei. Doch auch hier gab es eine weitgefasste Thematik. Zeno Karl Pinter veröffentlichte seine Dissertation Spada şi sabia medievală în Transilvania şi Banat (secolele IX–XIV), Sigrid Haldenwang die Arbeit Die Wortbildung des Adjektivs in der siebenbürgisch-sächsischen Mundart, Judit Pál Procesul de urbanizare în scaunele secuieşti în secolul al XIX-lea.

Unter den neuen Umständen bot sich eine immer intensivere Integration der Forscher in europäische Strukturen an. Außer der herkömmlichen Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde in Deutschland und der International Commission for the History of Towns wurden neue Kooperationen eingeleitet: mit dem Center for East- and Central European Studies Budapest, dem Instituut voor sociale en economische Geografie an der Katholieke Universiteit Leuven, mit dem Centre d’analyse et intervention sociologiques Paris und dem Südostdeutschen Kulturwerk München. Auch gab es zahlreiche Auslandsreisen; Mitarbeiter des Instituts fuhren zu Tagungen und Symposien oder zu Dokumentationsaufenthalten.

Im Rahmen der Forschungstätigkeit muss auch den Auszeichnungen Rechnung getragen werden, die einigen Mitarbeitern durch die Rumänische Akademie verliehen wurden: der „Timotei Cipariu”-Preis (Anneliese Thudt, Sigrid Haldenwang, Gisela Richter), der „Nicolae Iorga”-Preis (Nicolae Jurca) und der „Mihail Kogălniceanu”-Preis (Paul Niedermaier). Auszeichnugen gab es auch seitens ausländischer Einrichtungen: der Österreichische Arbeitskreis für Städtegeschichte verlieh den Preis „Pro civitate Austriae” (Paul Niedermaier).

2000–: Das Institut heute

Beginnend mit dem Jahr 2000 erfolgten erneut eine Reihe grundlegender Veränderungen, die weniger das Profil des Instituts betrafen als vor allem den Rahmen, in welchem sich dessen Tätigkeit entfaltet. Durch gerichtliche Verfügung wurde dem vormaligen Eigentümer, das Gebäude in dem das Institut seinen Sitz hatte, rückerstattet, und nach Erhalt einer Mahnung musste das Haus geräumt werden. Die Stadt war außerstande, uns andere Räumlichkeiten zu vermieten. Auf dem Gipfel dieser Krise halfen uns günstige Umstände: Es konnte ein Gebäude in der Schewisgasse/Bulevardul Victoriei angemietet werden, das der Evangelischen Kirche A.B.in Rumänien rückerstattet worden war; mit der Hilfe des Hermannstädter Bürgermeisteramts wurde das Haus geräumt, und die Gemeinnützige Hermann-Niermann-Stiftung Düsseldorf, aber auch die Rumänische Akademie stellten Mittel zur Instandsetzung und Modernisierung zur Verfügung. Wir danken sowohl Herrn Bischof Dr. Christoph Klein als auch dem Vorsitzenden der Stiftung, Uwe Stiemke, für die großzügige Unterstützung.

Nach einer Übergangszeit, in der die meisten Mitarbeiter provisorisch im Obergeschoss des neuen Institutssitzes arbeiteten und das Siebenbürgisch-Sächsische Wörterbuch im Luxemburg-Haus am Kleinen Ring eine vorläufige Bleibe fand, verfügen wir jetzt über eine optimale Lokalität mit 21 Räumen, wovon 15 als Arbeitsräume genützt werden, andere als Bibliothek und Konferenzraum, Bücherlager, Archiv, Gästezimmer, Kleinküche und Flur. Das bedeutet, dass der Großteil der Forscher zur Zeit einen eigenen Arbeitsraum haben. Unter diesen Umständen wird auch der Umzug des Siebenbürgisch-Sächsischens Wörterbuchs in den neuen Institutssitz möglich.

Im Blickpunkt stand jetzt auch die Institutionalisierung, auch in finanzieller Hinsicht, der verschiedenen vom Institut betreuten Organismen als gemeinnützige Vereine; dieser Schritt wurde wegen der sinkenden Zuwendungen aus dem Staatshaushalt notwendig. So wurde beim Hermannstädter Gerichtshof der Verein „Civitas Nostra. Societate pentru Studiul Istoriei Oraşelor” (Civitas Nostra. Verein zum Studium der Städtegeschichte) eingetragen, als der vom Institut betreuten Städtegeschichtekommission Rumäniens zugehörig. Die Rumänien-Abteilung des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde trug sich unter dem Namen „Cercul de Studii Transilvane“ beim Gerichtshof ein. Zusätzlich wurde ein Verein namens „Cercetarea sibiană” (Hermannstädter Forschung) ins Leben gerufen, mit dem Ziel, die Forschung im Institut und in Hermannstadt zu unterstützen. Alle drei Vereine werden demgemäß die Forschungsarbeit und die Forscher in Rumänien und insbesondere in Siebenbürgen und Hermannstadt fördern, insofern diese in der einen oder anderen Weise mit dem Forschungsinstitut für Geisteswissenschaften verbunden sind.

Mit seiner stabilen Infrastruktur, den dauerhaften Beziehungen zur „Lucian Blaga”-Universität Hermannstadt und anderen entsprechenden Einrichtungen, wird das Institut immer mehr zu einem Brennpunkt wissenschaftlicher Forschung. Dergestalt versteht das Institut es heute, mit einer Reihe von grundlegenden Untersuchungen der eigenen oder auswärtiger Mitarbeiter, doch auch als Organisator und Multiplikator, der Bestimmung der Rumänischen Akademie gerecht zu werden.

Veränderungen im Mitarbeiterstab waren: Anstelle von Judit Pál, die an die „Babeş-Bolyai”-Universität Klausenburg ging, von Marian Ţiplic, der sich zur „Lucian Blaga”-Universität Hermannstadt versetzen ließ, wurden Anda-Lucia Spânu und Dan Dumitru Iacob angestellt; Joachim Wittstock ging in Rente, an seine Stelle kam die Kunsthistorikerin Gudrun-Liane Ittu; anstelle des verstorbenen Eugen Onu wurde Gabriela Panţel-Cenuşer angestellt; die ausgewanderte Simona Bondor wurde durch Mariana Vlad ersetzt, und anstelle der ebenfalls ausgewanderten Bibliothekarin Steluţa Lăcătuş kam Maria-Emilia Crîngaci-Ţiplic. Zeitweise war Winfried Ziegler im geschichtlichen Bereich tätig, Elke Deac-Cinăzan wurde beim Wörterbuch angestellt (wo sie bis zum 30. Juni 2006 arbeitete) und Delia Popa (anstelle von Lucreţia Grozavu) im Sekretariat. Die Personaländerungen waren mithin doch relativ gering und brachten keine Erweiterung des Stellenplans mit sich. Zur Zeit leiden wir vor allem darunter, dass Mitarbeiter mit beträchtlicher Erfahrung nicht befördert werden können, und wir können bloß hoffen, dass der diesbezügliche Regierungsbeschluss rückgängig gemacht wird. Kritisch ist auch die Mitarbeiterfrage beim Siebenbürgisch-Sächsischen Wörterbuch, da hierzulande keine Mundartsprecher mehr zu finden sind, weshalb wir gegenwärtig Mitarbeiter aus Deutschland anzuwerben versuchen.Die im Institut erstellten Periodika erscheinen weiterhin. Zum Nachholen des Verzugs vom Ende der 90-er Jahre wurden auf Empfehlung des Akademieverlags Sammelbände herausgegeben.

Die wichtigsten in internationaler Zusammenarbeit erstellten Druckwerke, zum Großteil Grundlagenwerke, wurden fortgesetzt und teilweise abgeschlossen. Das Siebenbürgisch-Sächsische Wörterbuch veröffentlichte im Rumänischen Akademieverlag und dem Böhlau-Verlag seinen VIII. Band, Buchstaben „N–P”; der Band IX, Buchstaben „Q, R” (Bearbeiter M. Dengel, S. Haldenwang, I. Huber, U. Maurer, St. Sienerth) ist im Erscheinen begriffen. Im Verlag des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas erschien ein Briefwechselband zu vorwiegend kulturellen Themen, zusammengestellt von Joachim Wittstock und Stefan Sienerth, unter dem Titel Bitte um baldige Nachricht. Andere zu erwähnende Arbeiten gehören zur Städtegeschichte. Es geht in erster Reihe um eine Untersuchung zur Geschichte des Städtebaus in Siebenbürgen, erarbeitet und fertiggestellt von Paul Niedermaier; zwei der drei Bände wurden in dieser Zeitspanne vom Böhlau-Verlag unter dem Titel Städtebau im Mittelalter. Siebenbürgen, Banat und Kreischgebiet, 1242–1347, bzw. Städtebau im Spätmittelalter. Siebenbürgen, Banat und Kreischgebiet, 1348–1541 veröffentlicht. Ebenfalls mit ausländischer Unterstützung durch die International Commission for the History of Towns erschien ein anderes, zweisprachiges Grundlagenwerk, Elenchus fontium historiae urbanae, zum Beginn der mittelalterlichen Städte in Rumänien. Die Autoren dieser im Verlag der Rumänischen Akademie und in der Zeitschrift Historia Urbana erschienenen Arbeit sind Paul Niedermaier, Oana Damian, Zeno Karl Pinter, Gheorghe Cantacuzino, Mircea D. Matei und Stela Cheptea.

Außer diesen Veröffentlichungen sind die Arbeiten an einem weiteren grundlegenden Werk zu erwähnen, dem Städtegeschichteatlas Rumäniens (Atlas istoric al oraşelor din România). Dazu sind vier Lieferungen zu den Städten Schässburg/Sighişoara, Mühlbach/Sebeş, Suczawa/Suceava und Târgovişte erschienen. Zahlreiche, bei jeder Lieferung unterschiedliche Mitarbeiter waren daran beteiligt; wir erwähnen hier die Koordinatoren: Mircea D. Matei, Gheorghe Cantacuzino und Dan Dumitru Iacob, wobei der Letztere innerhalb des Instituts für das Projekt zuständig ist. Für die komplette Übertragung ins Deutsche zeichnete Sigrid Pinter. Das Erscheinen des Werks im Enzyklopädischen Verlag (Editura Enciclopedică) war dank Fördergeldern seitens des Ministeriums für Unterricht und Forschung, aber auch dank der Mitfinanzierung durch eine Privatfirma möglich.

Zur Verwirklichung eines älteren Wunsches, dem Erstellen von Untersuchungen zur Geschichte der Deutschen in Rumänien, trug die Veröffentlichung zweier Dissertationen wesentlich bei: Vasile Ciobanu, Contribuţii la cunoaşterea istoriei saşilor transilvăneni 1918–1944 (Beiträge zur Geschichte der Siebenbürger Sachsen 1918–1944) und Gudrun-Liane Ittu, Cultura germanilor din România în perioada 1944–1989 reflectată în publicaţii (Das kulturelle Leben der deutschen in Rumänien 1944–1989 im Spiegelbild der deutschsprachigen Publikationen). Ähnlich lautet das Thema eines Buchs von Nadia Badrus, Relaţiile interetnice reflectate în presa germană din Transilvania. 1931–1944 (Die interethnischen Beziehungen im Spiegelbild der deutschen Presse in Siebenbürgen. 1931–1944). Diese und die noch unter der Redaktion von Carl Göllner veröffentlichten Bände sowie die von Joachim Wittstock und Stefan Sienerth verfassten und redigierten Arbeiten verleihen dem Schwerpunktthema des Hermannstädter Instituts immer genauere Gestalt.

Es wurden natürlich auch andere Bücher von den Mitarbeitern des Instituts veröffentlicht; hier eine Auswahl: Zeno Karl Pinter, Roşcani. Biserica monument istoric und Der Böhmerberg bei Broos/Orăştie. Eine archäologische Monographie (gemeinsam mit Sabin Adrian Luca); Gudrun-Liane Ittu, Muzeul Brukenthal de la constituirea colecţiilor până în zilele noastre bzw. Geschichte des Brukenthalmuseums, sowie The Avant-garde Artist Hans Mattis-Teutsch. His Work and Thought; Gabriela Panţel-Cenuşer, Absurdul – confluenţe şi repere teatrale, sowie Specific şi creativitate în teatrul absurdului und Tribuna. 1884–1903. Incursiune culturală.

Neu war das Erscheinen von Büchern soziologischen Inhalts, wir erwähnen: Florica Vasiliu, Sindicate şi sindicalişti, sowie Societate şi politică; Nadia Badrus, Societatea civilă în România după 1989. Geneză, moduri de acţiune, Dorel Morândău, Intelectualii şi schimbarea socială în societatea românească în tranziţie.